Albert Ballin

Ungewöhnliche und interessante Aspekte des berühmten Reeders und Namensgebers des Museums

Er war ein berühmter Reeder, eine der bedeutendsten jüdischen Persönlichkeiten in der Zeit des deutschen Kaiserreichs und ist Namenspatron des Auswanderermuseums BallinStadt. Als begnadeter Geschäftsmann, Diplomat und Mensch hochgeachtet, gleichzeitig als „Kaiserjude“ verspottet, blieb er mit seiner ungewöhnlichen und vielschichtigen Persönlichkeit immer auch ein Außenseiter. Als Generaldirektor der HAPAG war er auch für den Bau der Auswandererhallen auf der Veddel, wo sich heute auch das Museum befindet, verantwortlich.

Am 9. November 1918 starb Albert Ballin.

Sein Leben hat nicht nur bedeutende Spuren in Hamburg hinterlassen, sondern auch das Geschehen in ganz Deutschland und Europa geprägt. Diesem Schaffen fühlt sich das Auswanderermuseum BallinStadt verpflichtet. Anlässlich seines 100. Todesjahres wird Albert Ballin unser Museum noch deutlicher prägen als in den Jahren zuvor. Anekdoten, Erinnerungen, Zeitzeugen und Wegbegleiter Albert Ballins werden hier in den kommenden 365 Tagen ein lebendiges Bild eines Mannes zeichnen, der nicht nur als der Erfinder der Kreuzfahrten und Schöpfer der Auswandererhallen gilt.

Albert Ballin Porträt

Folge 2: „Morris & Co“ – Wie alles begann

Als jüngstes von 13 Geschwistern wurde Albert Ballin 1857 im Stubbenhuk 17 in der Nähe des Hamburger Hafens in eine jüdisch-dänische Immigrantenfamilie geboren. Aufgrund des Brandes 1842 und seiner Nachwirkungen für die Hamburger Wirtschaft verlor der Vater Samuel „Joseph“ Ballin tragischerweise sein Unternehmen in der Textilindustrie. Mit der daraufhin gegründeten Auswandereragentur „Morris & Co“ zapfte er zwar den wirtschaftlichen Zeitgeist an, verdiente aber nur gerade so viel, wie zum Durchbringen der großen Familie nötig war. 1874 starb der Vater, und Albert musste, als erst 17-Jähriger, ins Geschäft einsteigen. Die Firma vermittelte Auswanderungswilligen Schiffspassagen nach England und weiter nach Nordamerika. Bereits sechs Jahre später vermittelte „Morris & Co“ 17 Prozent aller Auswanderungen in die USA und der Erfolg machte die HAPAG auf Albert Ballin aufmerksam…

Erfahren Sie die ganze Geschichte in der BallinStadt!

 

Vorherige Folgen:

Folge 1: „Mein Lebenswerk ist zerbrochen“ – Schicksalhafte Ahnungen

Aufgewachsen in einfachen Verhältnissen, als jüngstes von 13 Geschwistern einer dänisch-jüdischen Kaufmannsfamilie, übernahm Albert Ballin schon früh Verantwortung. Unter ihm als Direktor und späteren Generaldirektor stieg die Hamburg-Amerikanische Packetfahrt Actien-Gesellschaft (HAPAG) zum Ende des 19. Jahrhunderts zur größten Reederei der Welt auf. Als überzeugter Monarchist, hielt er eine enge Bekanntschaft zum Kaiser. Mit dem 1. Weltkrieg begann jedoch Ballins Untergang. Ballin versuchte vorab das Wettrüsten zu verhindern und einen deutsch-englischen Ausgleich zu erreichen – vergeblich. Er schrieb: „Ich will nichts mehr für mich, aber wenn ich an meine HAPAG denke, dann ist es schwer, sehr schwer, nicht zu heulen.“ Albert Ballin sah sein Lebenswerk zerstört. Er starb am 9. November 1918 mit 61 Jahren, am Tag der Proklamation der Republik, an einer Überdosis seines gewohnten Schlafmittels. Man vermutet, es war Suizid.