Albert Ballin

Ungewöhnliche und interessante Aspekte des berühmten Reeders und Namensgebers des Museums

Er war ein berühmter Reeder, eine der bedeutendsten jüdischen Persönlichkeiten in der Zeit des deutschen Kaiserreichs und ist Namenspatron des Auswanderermuseums BallinStadt. Als begnadeter Geschäftsmann, Diplomat und Mensch hochgeachtet, gleichzeitig als „Kaiserjude“ verspottet, blieb er mit seiner ungewöhnlichen und vielschichtigen Persönlichkeit immer auch ein Außenseiter. Als Generaldirektor der HAPAG war er auch für den Bau der Auswandererhallen auf der Veddel, wo sich heute auch das Museum befindet, verantwortlich.

Am 9. November 1918 starb Albert Ballin.

Sein Leben hat nicht nur bedeutende Spuren in Hamburg hinterlassen, sondern auch das Geschehen in ganz Deutschland und Europa geprägt. Diesem Schaffen fühlt sich das Auswanderermuseum BallinStadt verpflichtet. Anlässlich seines 100. Todesjahres wird Albert Ballin unser Museum noch deutlicher prägen als in den Jahren zuvor. Anekdoten, Erinnerungen, Zeitzeugen und Wegbegleiter Albert Ballins werden hier in den kommenden 365 Tagen ein lebendiges Bild eines Mannes zeichnen, der nicht nur als der Erfinder der Kreuzfahrten und Schöpfer der Auswandererhallen gilt.

Albert Ballin Porträt

Folge 12: Ein wahrer Freund

Einer von Ballins zahlreichen Freunden war Max Warburg. Mit ihm verband Ballin zum Beispiel viel mehr als ein tiefes Verständnis dafür, was es bedeutete in der Zeit ein Geschäftsmann jüdischen Glaubens in Hamburg zu sein. Er hielt Warburg für einen der klügsten Männer, die er kannte. Es gab einen regen Briefaustausch zwischen den beiden, eine konstante Verbindung über eine private Telefonleitung sowie gegenseitige Besuche, auch auf Ballins Landsitz in Hamfelde bei Trittau. Dort ging es außerhalb des Trubels der Großstadt entspannter zu. Zudem war Albert Ballin der Patenonkel von Max Warbugs Sohn Eric. Max Warburg war es auch, der 1918 Albert Ballins Grabrede hielt.

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Vorherige Folgen:

Folge 11: Seine Gesundheit und das Hamburger Schietwetter

Um Albert Ballins Gesundheit stand es nie besonders gut. Der große Unternehmer war ein rastloser und nervöser Geist. Er arbeitete quasi rund um die Uhr, auch auf Reisen und zu Hause wurde er stets per Telegramm und Telefon konsultiert. Er ersetzte körperliche Kraftreserven nicht durch Erholung und Regeneration, sondern durch Hochspannung. Die meiste Zeit seines Lebens litt er unter Schlafstörungen und nahm regelmäßig Schlaf- und Beruhigungstabletten. Kurioserweise soll er nur auf See einen erholsamen Schlaf gefunden haben.

Das Hamburger Wetter trug dabei nicht zur Besserung seiner Stimmung bei. So schrieb Ballin 1909 nach seiner Rückkehr aus Italien: „[…] ich konnte tatsächlich bei meinen vielen rheumatischen Schmerzen den ewigen Regen nicht länger ertragen und den Sonnenschein nicht länger entbehren […]. Man bedauert wirklich, dass man hier in diesem Hamburger Regenwetter-Winkel sein Leben fristen muss, wenn man einmal sieht wie viel besser Andere es haben.“

 

Folge 10: Der geschickte PR-Mann

„Journalisten von Entgleisungen und Seitensprüngen ab- und auf einer richtigen Linie zu halten, ist schwieriger, als einen Schwarm Flöhe wieder einzufangen.“

Ein Visionär von der Größe Ballins zu sein, bedeutet auch, Potentiale dort zu entdecken, wo andere nur Gefahren sehen. Das trifft insbesondere bei der im 19. Jahrhundert neu entstandenen Massenpresse zu, deren Macht Ballin schon als junger Mann erkannte und für seine Zwecke einzusetzen wusste. Ballin wurde damit einer der ersten, der in einem deutschen Unternehmen eine eigene Presseabteilung einrichtete.

Auch privat zählten die wichtigsten Persönlichkeiten der Presseszene zu Ballins engstem Freundes- und Bekanntenkreis. Ganz ohne positiven Nebeneffekt waren diese Beziehungen nicht: So fragte Ballin in einer schwierigen Situation, wenn er es nicht selbst tat, manchmal einen seiner Freunde, einen „besonders energischen Artikel“ für seine Sache zu verfassen.

 

Folge 9: Auf Albert Ballins privaten Spuren in Hamburg

So wie wir uns heute durch die Stadt, in der wir leben, bewegen, innerhalb ihrer Grenzen den Wohnort und den Arbeitgeber wechseln, tat es Albert Ballin auch. Dabei sind die zu seinen Lebzeiten von ihm bewanderten Straßen auch heute noch auf dem Stadtplan Hamburgs zu finden. Sein Leben nahm seinen Anfang im STUBBENHUK 17 (A). Bereits vor der Gründung der väterlichen Auswanderungsagentur im Jahre 1852, die der junge Ballin später übernahm, wuchs er ganz in Hafennähe auf – ein Milieu und eine fast eigene Welt, die dann sein ganzes berufliches Leben prägen und sein privates damit kontinuierlich durchweben. Später zog es die Familie noch 100m näher an die Wasserkante. Die Ballins wohnten im BAUMWALL 6 (B), als Ballin Senior 1874 verstarb und damit nur knapp 700m entfernt von der heutigen Elbphilharmonie.

In der MOORWEIDENSTRAßE (C) befand sich dann der erste gemeinsame Wohnsitz des frisch verheirateten Albert Ballins.

Mit Wilhelm II frühstückte er zunächst in seinem Anwesen in der BADESTRAßE (D) und schließlich in der FELDBRUNNENSTRAßE 58 (E), wo er vermutlich eigens für solche Empfänge eine Villa errichten ließ. Letztere wurde von Kritikern geringschätzig bisweilen auch als „Klein-Potsdam“
bezeichnet.

 

Folge 8: Albert Ballin – Familiäre Wurzeln

Familienforschung und die Entdeckung der eigenen Wurzeln sind derzeit von großem Interesse. Die Erforschung der eigenen Herkunft kann sehr spannend und aufschlussreich sein. Doch was verrät uns ein Blick in Albert Ballins Familiengeschichte?

Nicht selten wird der für die Entwicklung der Hafenstadt Hamburg bedeutende Mann als Sohn eines dänisch-jüdischen Einwanderers dargestellt. Doch gehörten Albert Ballin und seine zwölf älteren Geschwister nicht zu der ersten Generation in deutschsprachigen Landen geborener Ballins. Als Albert Ballin sich 1913 auf dem Zenit seines Wirkens befand, erstellte der Hamburger Juwelier Perlmann eine genealogische Arbeit, die bis in das Jahr 1485 zurückreicht. Diese führt uns nach Worms im heutigen Rheinland-Pfalz. Dort verstarb in dem Jahr nämlich Jitzchock Ballin, ein neun Generationen früher lebender Vorfahre. Während es einige Nachkommen Jitzchocks auch nach Frankreich verschlug, war die direkte Linie, von der Albert Ballin abstammt, doch eher in deutschsprachigen Regionen unterwegs. Unter all den bekannten Familienangehörigen befanden sich u.a. Rabbiner, Goldschmiede und bei Hof lebende Juden.

Erst Albert Ballins in Bovenden geborener Großvater wanderte 1784 nach Dänemark aus. Sein Sohn Samuel Joel Ballin, der Vater des Hamburger Reeders, fand 1832 im Alter von 28 Jahren von dort aus seinen Weg nach Hamburg. Damit und mit der späteren Gründung einer Auswanderungsagentur legte er die ersten Grundsteine für den beruflichen Erfolg seines jüngsten Sohnes.

 

Folge 7: „Albert Ballin – der Diplomat“

Wie bereits sein Vater hatte auch Albert Ballin eine gewinnende Art mit Menschen umzugehen. Bereits früh hat er exzellente Geschäftskontakte nach England aufgebaut. Ballin behauptete sich schnell als ein Meister der Schiffsdiplomatie, der rivalisierende Schiffslinien zusammenbringen konnte. Für einige englische Geschäftsleute war sein Vorsitz an internationalen Besprechungen die Voraussetzung für eine Teilnahme.

Während Alber Ballin ein überzeugter Monarchist war, gehörte er gleichzeitig zu den Menschen seiner Zeit, dem beengte politische und geschäftliche Auffassungen fremd waren. Er sah eine Zukunft des Deutschen Kaiserreiches unter den Staaten an der Weltwirtschaftsspitze, während ihm ein ausgewogenes und freundschaftliches Verhältnis zu Großbritannien besonders am Herzen lag. Mehrfach bemühte er sich Anfang des 20. Jahrhunderts um einen deutsch-englischen Ausgleich, u.a. 1908 mit dem gescheiterten Versuch eines Flottenabkommens zwischen den beiden Staaten.

 

Folge 6: „Albert Ballin – der Visionär, Teil 2“

Als Albert Ballin nach dem Tode seines Vaters im Jahre 1874 im Alter von 17 in dessen Auswanderungsagentur einstieg, wurde schnell deutlich, dass er nicht nur in Bezug auf finanzielle Entscheidungen die richtigen Instinkte besaß. Zu einer Zeit, in der Europa-Auswanderer meist in Zwischendecks fuhren und nicht selten als die Ware behandelt wurden, die auf den Rückwegen aus Amerika in genau denselben Räumlichkeiten transportiert wurde, zeichnete Ballin sich durch seine Kundennähe aus. Während Hamburger Reedereien lieber eigene Agenten beschäftigen und Auswanderer aus Osteuropa ungern beförderten, organisierte Ballin deren indirekte Auswanderung über England und verabschiedete sich an der Gangway persönlich von ihnen. In der Zusammenarbeit mit der Carr-Linie ab 1881 wurden günstige Überfahrten auf den auf Albert Ballins Anregung hin speziell hierfür umgebauten Frachtschiffen möglich.

Später entstand bei der HAPAG unter seiner Federführung zum Jahrhundertwechsel hin die 3. Klasse als Ergänzung zum Zwischendeck, in der die finanzschwächeren Passagiere dennoch etwas Privatsphäre und komfortablere Bedingungen vorfanden.

 

Folge 5: „Albert Ballin – der Visionär, Teil 1“

Mit klaren Zielen vor Augen, dem Mut zu deren Umsetzung und dem Gefühl für den passenden Zeitpunkt bestritt Albert Ballin das Aufgabenfeld und Leben eines Reeders.
Vor Ballins Eintritt in die HAPAG stand diese hinter dem unmittelbaren Rivalen in Bremen zurück. Denn 1886 beförderte der Norddeutsche Lloyd (NDL) 166.693 Passagiere (mit insgesamt 49 Dampfern) und die HAPAG 48.131 (26 Dampfer). Die einzigen Verbindungen, die die HAPAG zu diesem Zeitpunkt bediente, waren nach New York und auf die Westindischen Inseln. Bereits ein Jahr nach seinem Einstieg, erweiterte der nun 30-Jährige die vorhandenen Linien, fügte neue Verbindungen hinzu und stellte sogar die 1874 in Krisenzeiten abgebrochene Verbindung nach New Orleans wieder her. Bereits um 1900 stand die HAPAG, nun unter Ballin als Generaldirektor, an der Weltspitze. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg haben sich die Verhältnisse zwischen den beiden konkurrierenden deutschen Reedereien deutlich verschoben. Die HAPAG-Flotte hatte fast 60 Dampfer mehr zu verzeichnen.

 

Folge 4: „Ohne Zwischendeckspassagiere wäre ich innerhalb weniger Wochen bankrott.“

In einem zeittypisch patriarchalen Führungsstil lenkte Albert Ballin die Geschicke der HAPAG auch in unruhigen Zeiten. Dabei war das Passagegeschäft seit den 1880er Jahren einer der wichtigsten Geschäftszweige der Reederei. Dass der Erfolg der HAPAG ganz wesentlich von Auswanderern abhing, verdeutlicht das Zitat Ballins eindrücklich.
Als dann 1892 in Hamburg die Cholera ausbrach, wurden Auswanderer als angebliche Verursacher nicht mehr hineingelassen. Der HAPAG drohte der Niedergang. Dank Ballins geschickten Verhandlungen konnte das Geschäft wiederaufgenommen werden. Auswanderer mussten nun vorbeugende Kontrollstationen durchlaufen. Das Passagegeschäft blühte wieder – bis der Erste Weltkrieg alles veränderte.

 

Folge 3: Ein unglaublicher Aufstieg

1886 war die Union-Linie, für die Albert Ballins Agentur Morris & Co. die Passagevertretung machte, zu einem ernsthaften Konkurrenten der HAPAG (Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft) im Auswanderergeschäft geworden. Dies zwang die HAPAG zu Verhandlungen mit der Union-Linie, die damit endeten, dass die HAPAG 1886 Ballin übernahm und ihm die Leitung der Passageabteilung anvertraute. Ein Jahr später führte er den Schnelldienst Hamburg – New York ein. Aufgrund seiner brillanten Geschäftsideen, seines Organisationstalents und seines Verhandlungsgeschicks machte er eine rasante Karriere. Bereits 1888 wurde Albert Ballin ins Direktorium der HAPAG berufen und 1899 folgte schließlich die Ernennung zum Generaldirektor des Unternehmens. Aus dem armen jüdischen Jungen war einer der wichtigsten Unternehmer des Deutschen Reichs geworden.

 

Folge 2: „Morris & Co“ – Wie alles begann

Als jüngstes von 13 Geschwistern wurde Albert Ballin 1857 im Stubbenhuk 17 in der Nähe des Hamburger Hafens in eine jüdisch-dänische Immigrantenfamilie geboren. Aufgrund des Brandes 1842 und seiner Nachwirkungen für die Hamburger Wirtschaft verlor der Vater Samuel „Joseph“ Ballin tragischerweise sein Unternehmen in der Textilindustrie. Mit der daraufhin gegründeten Auswandereragentur „Morris & Co“ zapfte er zwar den wirtschaftlichen Zeitgeist an, verdiente aber nur gerade so viel, wie zum Durchbringen der großen Familie nötig war. 1874 starb der Vater, und Albert musste, als erst 17-Jähriger, ins Geschäft einsteigen. Die Firma vermittelte Auswanderungswilligen Schiffspassagen nach England und weiter nach Nordamerika. Bereits sechs Jahre später vermittelte „Morris & Co“ 17 Prozent aller Auswanderungen in die USA und der Erfolg machte die HAPAG auf Albert Ballin aufmerksam…

 

Folge 1: „Mein Lebenswerk ist zerbrochen“ – Schicksalhafte Ahnungen

Aufgewachsen in einfachen Verhältnissen, als jüngstes von 13 Geschwistern einer dänisch-jüdischen Kaufmannsfamilie, übernahm Albert Ballin schon früh Verantwortung. Unter ihm als Direktor und späteren Generaldirektor stieg die Hamburg-Amerikanische Packetfahrt Actien-Gesellschaft (HAPAG) zum Ende des 19. Jahrhunderts zur größten Reederei der Welt auf. Als überzeugter Monarchist, hielt er eine enge Bekanntschaft zum Kaiser. Mit dem 1. Weltkrieg begann jedoch Ballins Untergang. Ballin versuchte vorab das Wettrüsten zu verhindern und einen deutsch-englischen Ausgleich zu erreichen – vergeblich. Er schrieb: „Ich will nichts mehr für mich, aber wenn ich an meine HAPAG denke, dann ist es schwer, sehr schwer, nicht zu heulen.“ Albert Ballin sah sein Lebenswerk zerstört. Er starb am 9. November 1918 mit 61 Jahren, am Tag der Proklamation der Republik, an einer Überdosis seines gewohnten Schlafmittels. Man vermutet, es war Suizid.